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Oktober 2010
Editorial
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Rolf Buchmann
ist Senior Partner
der Buchmann & Partner AG
und leitet den Bereich Wiedereingliederung.
Ein Tag im Leben von
Interview zum Fall M.B.
Mach mal Pause!
zum Schmunzeln...
 

Liebe Leserinnen und Leser

Gemäss den Medien hat sich die Wirtschaft in Europa positiv entwickelt. Von einigen Ausnahmen abgesehen, hat sich auch der Arbeitsmarkt wieder entspannt. Diese Feststellung ist allerdings mit Vorsicht zu geniessen: Typisch für diese Entwicklungsphase ist beim Ressourcenmanagement die Tatsache, dass Unternehmer und Arbeitgeber die zunehmende Auslastung durch Produktivitätssteigerung der bestehenden Belegschaft meistern. Zusätzlich werden vorerst höchstens Temporärarbeitskräfte rekrutiert.
An eine effektive Aufstockung der Mitarbeiterzahl wird erst gedacht, wenn mehr und verlässlichere Sicherheit eingekehrt ist und es sich kostenmässig rechnet.
Schon seit eh und je ist unsere Branche - die Wiedereingliederung von Menschen mit einem  Handicap - mit diesem Problem konfrontiert. Momentan ist unsere grösste Herausforderung, in solch unsicheren Zeiten Arbeitgeber zu finden, die bereit sind, solche Risiken mit Mitarbeitern einzugehen und sich ausserdem Betreuungsverpflichtungen auszusetzen. (Für diese Problematik bringt man sogar Verständnis auf.)
Durch die erschwerten äusseren Umstände dauern Eingliederungsprozesse länger, was die Kosten zwangsläufig erhöht. Zusätzlich verschärfen die Versicherer die Triage, dadurch kann die Überlegung, ob sich der Aufwand lohnt, zu vorzeitigen Kostenbremsen und eventuell zu verpassten Chancen führen.
Der in der Folge geschilderte Fall zeigt dieses Phänomen deutlich auf: Wenn man mehr Geduld aufbringt und den Glauben nicht verliert, findet man unkonventionelle Lösungen, die sich zuvor niemand vorstellen konnte.
Hier geschah, was nicht sein dürfte, dass der Spargedanke vor die Hilfe am Menschen gestellt wird.
Wir erinnern daran: Wiedereingliederung erforderte schon seit jeher Bereitschaft und Einsicht in Richtung Sozialkompetenz. Und zwar als Verpflichtung zum Beitrag an eine grössere Allgemeinheit, nicht nur auf eine Einzelperson bezogen. Dies gilt insbesondere für die Arbeitgeber, jedoch ist es auch wünschenswert, dass die Versicherer mehr Einsicht und Vertrauen in die Gegebenheiten des erschwerten Arbeitsmarktes setzten. Auch sollten sie der Tatsache, dass gegenwärtig jede Wiedereingliederung mehr Zeit und Betreuung erfordert, vermehrt Rechnung tragen.
Lesen Sie die Geschichte, wie sie der Klient M.B. erlebt hat. Im Anschluss daran hat der News-Redaktor den Verlauf der Betreuung aus der Sicht des Wiedereingliederers recherchiert.

Rolf Buchmann


 
Ich bin Tramführer. Mein Tram fährt heute um zwanzig vor sechs, 5:39, um genau zu sein.
Deshalb stehe ich bereits fünf vor halb vier auf. Klassische Musik begleitet mich beim Aufstehen. Duschen kann ich nicht um diese Zeit, das ist zu früh. Meine Katze macht lustigerweise meinen Rhythmus mit. Auch sie will ihren „Food“. Wir frühstücken gemeinsam ausgiebig.
Heute muss ich in der Zentralwerkstätte in Altstetten ausfahren.
Zwanzig nach fünf schwinge ich mich aufs Velo. Dort angekommen stelle ich als erstes mein Velo hinten ins Tram - wie immer.

Meine Dienstablösung ist genau in 5 Std. und 5 Min. in der Kalkbreite. Deshalb, in der Kalkbreite ankommen, halte ich kurz an, steige aus meinem „Hüüsli“, steige mit meinem Velo aus und stelle es abgeschlossen hinter einen Busch. Zurück in die Führerkabine und… fort! Das ganze dauert genau 20 Sekunden.
Die wenigen Fahrgäste schauen mich dann schon ein bisschen komisch an. Da ich meinen Dienst wie gesagt in der Kalkbreite beende, spare ich enorm Zeit für den Heimweg, denn mein Velo steht ja dann schon da. In Albisrieden habe ich 6 ½ Minuten Pause, ich hole mir schnell etwas vom Beck, lasse mir einen Kaffee raus und fahre gleich wieder los.

Langsam merke ich die Veränderungen des Tages: Am Anfang bist du alleine mit ein paar wenigen Fahrgästen unterwegs. Ich sage dann meistens nicht so viel, ich weiss, wie das ist: Wer schon so früh unterwegs, will seine Ruhe. Bis sieben Uhr ist es ruhig. Dann plötzlich macht’s „schwupps“ und das Tram ist voll.

Wir werden von der VBZ angehalten, am Anfang und am Schluss einer Fahrt die Fahrgäste zu begrüssen und zu verabschieden. Das macht für mich wenig Sinn, wenn ich am Anfang oder am Schluss für ein, zwei Personen eine Durchsage mache. Deswegen sammle ich zuerst Leute ein, und so ungefähr ab Hubertus mache ich meine Durchsage, zuerst auf Schweizerdeutsch: „Liäbi Fahrgäscht, I begrüesse Sie uf der Linie 3… wünschä ä guete Tag und ä schöni Fahrt!“ Dann auf Hochdeutsch: „Nächster Halt: Krematorium Sihlfeld!“. Die Stationen sind in Schriftdeutsch anzusagen, so steht es im Reglement.

Am Hottingerplatz steigt der Herr Bundesrat Moritz Leuenberger ein! Das ist natürlich ein Highlight! Am Hauptbahnhof steigt Leuenberger wieder aus, vermutlich nimmt er den Zug nach Bern ins Bundeshaus.

Es gibt da verschiedenste Fahrgäste, Prominente aber auch Obdachlose: Spezielle Leute, die kennt man dann mit der Zeit. Viele davon sind nicht „guet z’wäg“ oder am Morgen schon mit dem Bier unterwegs. Da ist zum Beispiel das „Sackmannli“. Er trägt einen langen weissen Bart und hat immer dutzende Plastiksäcke bei sich. Streunt die ganze Zeit in der Stadt herum.

Ich bin mit dem Tram fast immer pünktlich. Das hängt mit meinem Perfektionismus zusammen. Wenn ich eine Minute Verspätung habe, werde ich kribbelig. Daran arbeite ich noch.

Eine Verspätung holt man nicht auf, indem man „bolzt“, also schneller fährt. Ich habe meine eigenen Tricks. Ich sage dem „Geschicktes Haltestellen-Management“. Und das geht so: Ich fahre in eine Haltestelle rein und mache auf Knopfdruck alle Türen auf! Die Leute müssen also nicht zuerst auf den Knopf drücken, sondern die Türen sind schon offen. Dadurch spare ich bestimmt 10 Sekunden ein. Dann gibt es diejenigen, welche anderen den Knopf halten, da kann ich nichts machen. Der Fahrplan gerät dadurch vor allem in den Rush Hours aus den Fugen, was immer und immer wieder ganze Tramzüge blockiert. Das gibt dann diese Reihe blauer Dominosteine - eine blaue Wand von Trams… und es geht nicht mehr weiter.
Um 10:44 endet meine Schicht. Ich bin vier Mal zum Klusplatz und vier Mal nach Albisrieden gefahren.
Ich mache dann wieder meine Ansage: „Geschätzte Fahrgäste, beim nächsten Halt gibt es einen Fahrerwechsel. Ich verabschiede mich von Ihnen und wünsche Ihnen einen schönen Tag!“ Meine Ansagen kommen unheimlich gut an. Ich habe da schon Schokolade geschenkt bekommen, Prosecco-Piccolo, Schoggi-Osterhasen. Es gibt viele, auch junge Leute, die beim Aussteigen „Adieu“ oder „Merci“ sagen. Andererseits, wenn ich jemandem extra die Tür nochmals aufmache und dieser sich nicht bedankt, dann rufe ich selber ganz laut „Merci“!

Ich kann aber nicht immer die Türe nochmals aufmachen, vor allem dann nicht, wenn mit dem Türen schliessen dem Lichtsignal bereits den Befehl zum Weiterfahren gegeben wurde.

Es gibt Leute, die sich die Knöchel wund klopfen, damit ich Ihnen die Türe aufmache. Ich schaue sie dann einfach nicht an, um sie nicht noch mehr zu provozieren. Mit solchen zum Teil schwierigen Situationen, z.B. heftigen Beleidigungen, muss man irgendwie selber fertig werden. Eine psychologische Schulung erhält man während der Ausbildung zum Tramführer nicht.

Es gibt zwar die Möglichkeit, in schwierigen oder brenzligen Situationen einen Notruf abzusetzen, um mit der Leitstelle zu kommunizieren. Es gibt auch den sogenannten „stillen Alarm“. Auf der Leitstelle hören dann alle mit und können sofort reagieren wenn es kritisch werden sollte.

Ich wurde auf vier verschiedenen Tramtypen ausgebildet. Das Fahrverhalten dieser Trams ist völlig unterschiedlich. Das neue Cobra Tram kann ich zum Beispiel an einer Haltestelle fast millimetergenau anhalten. Das alte Mirage hingegen ist ein unheimlich schweres Tram, es wiegt 30 Tonnen! Bis das nur in Gang kommt oder abbremst! Die Bremsen des Mirage werden zum Teil noch mit Druckluft betrieben, da muss man schon ein bisschen ein „Gspüri“ haben.

In der Kalkbreite wartet bereits meine Ablösung. Ich schwinge mich aufs Velo, fahre nach Hause, ziehe meine Uniform aus, esse etwas, höre Musik, lese die Zeitung, geniesse die wenigen Stunden Ruhe auf dem Balkon. Dann ziehe ich mich wieder um, steige aufs Velo… fahre in die Kalkbreite und fahre mit meinem Tram pünktlich wieder los.

Wo gearbeitet wird, passieren auch Fehler. Vor einigen Monaten, als der Bürkliplatz umgebaut wurde, mussten die Trams wegen der Baustelle anders fahren. Dreimal mache ich es richtig, beim vierten Mal werde ich durch einen Fahrgast abgelenkt und fahre falsch! Ich drücke den Notruf: „Hallo, ich muss rückwärts fahren!“ „Ja, machen Sie das!“ meldet sich die Leitstelle über den Lautsprecher. Ich renne nach hinten. Da stehen schon zwei Autos im Weg! Ich muss diese zuerst wegwinken, dann steige ich hinten ins Tram, fahre retour, ziemlich weit, damit ich die Weiche elektrisch richtig stellen kann, renne wieder nach vorne… stelle die Weiche…. fahre los…. bemerke, dass ich beim ganzen Manöver hinten den Blinker gesetzt habe und dieser immer noch blinkt! Ich muss bei der nächsten Haltestelle nach hinten rennen …. stelle den Blinker zurück…. Renne wieder nach vorne…. kann endlich weiterfahren!

Am Tessinerplatz, der ist übrigens extrem kompliziert, hat so viele Schlaufen, da komme ich also gefahren…. bin zwar gut vorbereitet…. aber ich vergesse die Weiche zu stellen! Diesmal zum Glück stehe ich noch davor. Ich steige mit dem Weicheneisen aus… stelle die Weiche von Hand um… steige wieder ins Tram und sage zu meinen Fahrgästen: „Ich glaube, da ist ein bisschen der Wurm drin!“
Von der Leitstelle wurde ich nach diesen Zwischenfällen dann aufgefordert, die Fahrtenschreiberscheibe – die Blackbox sozusagen – auszubauen. Es gab schliesslich auch einen 3-seitigen Rapport!

Um 16:57 ist Schluss mit der zweiten Schicht. Ich melde mich bei der Leitstelle ab und begrüsse meinen Nachfolger. Wir wechseln ein paar Worte, machen einen kurzen Rapport. Dies sind eigentlich die einzigen Momente, wo man mit Kollegen ins Gespräch kommt.
Feierabend! Kein studieren mehr, was man noch erledigen müsste. Das ist das coole an diesem Job!

Während der 2-monatigen Ausbildung bin ich alle Geleise abgefahren und habe alle möglichen Situationen durchgespielt. Dann kam die Lehrmeisterzeit, da war ich 20 Diensttage mit einem Lehrmeister unterwegs. Dann die Fahrprüfung mit einer Expertin.

Zu Hause angekommen dusche ich, ich bin mit einer Kollegin zum Abendessen verabredet. Um halb neun ist schon wieder Schluss, denn auch morgen muss ich wieder früh raus!

Der Beruf als Tramführer bereitet mir grosse Freude. Seit meiner Kindheit hat mich alles auf Schienen sehr fasziniert. Ursprünglich wollte ich Pilot bei der Swissair werden. Schlussendlich habe ich aber als Dr. phil. Nat. an der Uni Bern promoviert. Als Biologe habe ich aber nicht lange gearbeitet, es zog mich ins Marketing und in die Kommunikationsbranche.

Bei meinem letzten Arbeitgeber, einer grossen Bank, war ich Projektleiter. Ich erstellte Kommunikationskonzepte, Broschüren, Flyers, etc. Doch die Zusammenarbeit stimmte nicht, ich wurde gemobbt. Schliesslich ging ich jeden Tag mit Angst zur Arbeit, bis es einfach nicht mehr ging.

Buchmann & Partner AG hat mir geholfen, wieder eine Tagestruktur in mein Leben zu bringen. Ich ging da jeden Tag vormittags hin und bewarb mich um unzählige Stellen. Dabei wurde ich vom Buchmann Team tatkräftig unterstützt. Ich suchte wieder einen Job im Bereich Marketing und Kommunikation, doch all meine Anstrengungen verliefen erfolglos. Schliesslich kam die Idee, mich als Tramführer zu bewerben. Im zweiten Anlauf klappte es. Dabei musste ich eine Lohneinbusse von ca. 25-30 % hinnehmen. Da muss man sich anpassen.

Ich arbeite sehr gerne bei der VBZ! Wir sind alle per Du. Auch wenn ich mit dem Fahrrad von der Arbeit nach Hause fahre, werde ich immer von Arbeitskollegen gegrüsst: Hier ein Busfahrer, dort ein Tramführer. Man grüsst immer und das ist schön!
Heute entscheide ich selber. Ich trage Verantwortung und habe keinen Chef oder Chefin, die mir während der Arbeit dreinreden. Und vor allem: Jeder Tag ist anders!

Interview mit Patrick Zufferey, Partner & Mitglied der Geschäftsleitung der Buchmann & Partner AG.
Er arbeitet im Bereich der Wiedereingliederung.

News: Da hat Buchmann & Partner AG doch tatsächlich einen Dr. phil. nat., der zuletzt im Umfeld Marketing/Kommunikation tätig war, als Tramführer wieder eingegliedert? Dies tönt sehr speziell! Wie ist das abgelaufen?

Herr M.B. wurde uns als Krankentaggeld-Fall überwiesen. Er litt an einem Burn-Out Syndrom aufgrund eines Mobbing Vorfalles an seiner damaligen Stelle. Anfänglich war der Klient längere Zeit 100% arbeitsunfähig.

News: Was waren die ersten Massnahmen?

Aufbauarbeit durch Coaching-Gespräche und Abklärungen der Arbeitsleistungsfähigkeit anhand von Leistungstests. Beide zeigten relativ gute Ergebnisse. Das Selbstwertgefühl gewann rasch wieder an Stärke und nach kurzer Zeit war zu den negativen Erlebnissen eine wirksame Distanz geschaffen. So nahm Herr M.B. motiviert und fleissig die Stellensuche gemeinsam mit uns in Angriff.

News: Wo habt ihr da zuerst angesetzt?

Logischerweise stellten wir als Erstes die erworbenen Branchenkenntnisse in Marketing und Kommunikation in den Mittelpunkt. In diesem Berufsfeld gab es eine grosse Anzahl Stellen.

News: Wie viele Bewerbungen sind da raus?

Gemeinsam haben wir gegen 60 Dossiers verschickt. Da war dann zuerst das Hindernis der 100%-Stelle, die meist gefordert wurde und bei der Ablehnung der Bewerbungen als Hauptgrund angeführt wurde.

News: Wie hat M.B. diese Phase erlebt?

Nach anfänglich begeistertem Engagement und der sich ständig verbessernden psychischen Befindlichkeit, litt der Klient mit der Zeit doch unter den vielen Absagen. Seine positive Einstellung führte jedoch dazu, dass sein Zustand immerhin medizinisch unbedenklich wurde und die Krankentaggeld-Versicherung die Arbeitsfähigkeit stetig erhöhte. Die Konsequenz in solchen Fällen ist bekannt: Die Einstellung der Taggeldzahlungen wurde angekündigt. Dies bedingte eine erneute subjektive Verschlechterung des effektiven Zustandes des Klienten, was medizinisch und versicherungsseitig nicht beachtet wurde. Nur noch die Tagesstruktur in unseren Büros, wo Herr M.B. täglich hinkam, gab ihm Halt und Zuversicht.

News: Was war Eure Antwort darauf?

Wir haben das Coaching verstärkt, haben ein Brainstorming nach dem andern durchgeführt und die Suchfelder ausgedehnt. Aus einer unkonventionellen Laune heraus stiessen wir darauf, dass Herr M.B. als Junge oft davon geträumt habe, Pilot oder Lockführer zu werden. Da sei alles so geregelt, der Weg sei vorgegeben durch die Schienen, welchen man nur zu folgen habe. Daneben aber werde höchste Konzentration verlangt, rund herum sei Betrieb, und mit Menschen habe man auch zu tun.

News: Was gab denn den Ausschlag für den zuletzt eingeschlagenen Weg?

Mittlerweile war Herr M.B. bereits 6 Monate am Trainingsarbeitsplatz, hatte sich mit grossem Engagement unermüdlich aufgebaut und unzählige Tests durchlaufen, um seine Leistungsfähigkeit zu trainieren. Hoher Druck durch die Einstellung der Krankentaggelder lastete jedoch auf ihm.
In der Zwischenzeit reifte in Herrn M.B. mehr und mehr eine Sympathie zur Idee des Lockführers. Er empfand dies nicht als blossen Ausweg, sondern immer mehr als Bedürfnis, diesen Weg zu gehen.
Wir setzten uns mit der Problematik einer Neuausrichtung auseinander, auch mit dem Umstand, in ein völlig neues Umfeld gesellschaftlicher Realitäten einzusteigen.
Die erste Bewerbung schickten wir an die VBZ. Weil Herr M.B. altersmässig an der oberen Grenze war, und man wegen seines Dr. phil. Skepsis zeigte, wurde seine Bewerbung zuerst abgelehnt.

News: Wie reagierte M.B. darauf?


Unbeeindruckt. Obwohl ihm der Fallabschluss bevorstand, es ihm moralisch in dieser Beziehung eher schlecht ging, er sich auch wegen des Verhaltens von Arzt und Versicherung ungenügend beachtet vorkam, blieb er bei der Stange. Er hatte die Hoffnung nicht aufgegeben, rekurrierte gegen die Rückweisung der VBZ und erreichte, dass man ihn zur Prüfung zuliess. Diese hat er schliesslich erfolgreich bestanden und eine Stelle als Tramchauffeur erhalten.

News.: Was ist das Fazit aus dieser Geschichte?

Bekanntlich geht ja ein Auswahlprozess bei der VBZ eher länger und man weiss nicht, ob ein Abschluss je erreicht werden wird. Um dem Klienten einen festen Tagesablauf zu ermöglichen, haben wir ihm 3 Monate über die Taggeldleistung hinaus den Arbeitsplatz bei uns zur Verfügung gestellt. Wir bearbeiteten weiter Stelleninserate, um ihm eine Art Fixpunkt zu gewähren. Wir sind überzeugt davon, dass wir so dazu beitrugen, dass Herr M.B. schliesslich die Ruhe und Sicherheit bewahren konnte, um die Prüfungen mit Bravour zu bestehen.  

Fazit: Die Zeit, die uns aus versicherungsbedingten Überlegungen für die Wiedereingliederung zugestanden wird, ist immer weniger ausreichend, um einen Fall sorgfältig, endgültig und nachhaltig zu lösen. Aus unserer Sicht von Moral und Verantwortungsbewusstsein betrachten wir es hingegen als Pflicht, in solchen Fällen für den Menschen zu handeln und ihn auch ohne Honorar zu begleiten.
News: Das streicht Herr M.B. in seinem Bericht ja auch heraus und äussert sich dankbar darüber. Er hat sich in diesem bodenständigen Umfeld gut eingelebt und ist mehr als zufrieden. Er sei übrigens nicht der einzige Akademiker bei der VBZ, es habe dort einige Ärzte, Juristen, Piloten und ehemalige Bankmanager, denen es heute gut gehe...  


Unicycle Rider

"Unicycle Rider" ist ein witziges Gratis-Flashgame, in dem Sie versuchen müssen, gleichzeitig die Balance auf einem Einrad zu halten und einem Ball durch Sprünge auszuweichen.

(Zum Starten klicken Sie einfach aufs Bild links)

Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern,
als ihr treu zu bleiben.


Friedrich Hebbel, 1813 - 1863
deutscher Dichter

 

Der Zwerg und der Berg

Es war einmal ein Zwerg,
Der wollte über einen Berg.
Doch war dieser viel zu steil,
Drum besorgt‘ er sich ein Seil.

Er wollt mit Lasso-Schwingen
Diesen hohen Berg bezwingen.
Doch jeder Stein war viel zu scharf,
Sodass es ihn zu Boden warf.

Also versuchte er’s erneut,
Doch das hat er bald bereut.
Er versuchts mit Keil und Hacken,
bis diese im Stein zerbrachen.

Danach versuchte er zu klettern,
Doch liess ihn das beinah zerschmettern.
Da hat er schliesslich nachgedacht,
und nach Jahren plötzlich laut gelacht.

Denn er hat nach all der Zeit vergessen,
Warum er sich mit dem Berg wollt messen.

Und die Moral von der Geschicht?
Die weiss ich grade selber nicht.
Doch solltest du sie kennen,
darfst du sie mir gerne nennen.

Andrea C. (19 Jahre)

 

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Redaktion der Case Manager & Partner News: Rolf Buchmann, Ramón Carbonell, Patrick Zufferey
Gestaltung: Sibylle Menzi / Ari Canonica (can-can.ch)