Wenn ich um halb Sechs aufstehe, begrüssen mich 3 Katzen vor meiner Schlafzimmertür. Ich mache die Rolladen hoch und die Balkontüre auf. Die Katzen wollen an die frische Luft. Meine Katzen haben meinen Rhythmus angenommen: Sobald ich ins Bad gehe, gehen sie eine nach der anderen auf die Katzentoilette.

Wenn ich dusche, sitzen sie vor der Badzimmertüre wie Bodyguards und putzen sich. Und wenn ich mich dann zum Frühstücken hinsetze, dann tun sie dies ebenfalls. Spannend, wie sie sich jedem meiner Schritte anpassen.

Ich esse also gemütlich Frühstück, höre Radio und die Nachrichten und so um Viertel vor Sieben fahre ich los zur Arbeit. Ich mache einen Umweg, die Strasse, welche ich gewöhnlich fahre, ist wegen Schlaglöchern gesperrt.

Kurz vor halb Acht bin ich im Geschäft. Die einen Mitarbeiter sind schon da und schlürfen ihren feinen Espresso in unserem schönen Showroom. Die anderen sind bereits auf Montage unterwegs. Wir besprechen die anstehenden Pendenzen und organisieren den Tagesablauf. Ich arbeite in einer Küchenbaufirma, welche in erster Linie für Gastronomieunternehmen Küchen plant, herstellt und installiert. Unser Team umfasst 10 aufgestellte und coole Mitarbeiter.

Mein momentaner Job heisst: Planungs- und Sachbearbeiterin, doch voraussichtlich nicht mehr lange. Mein Chef wünscht, dass ich auch die Planungs- und Projektleitung übernehme. Ich soll in Zukunft seinen Job ausführen, damit er sich anderen Geschäftsaufgaben widmen kann. Obwohl er mit Arbeit voll zugedeckt ist, hat er sich immer wieder Zeit genommen, mir das Zeichnen mit unserem CAD-System beizubringen. Das rechne ich ihm hoch an. Im Moment heisst es „Learning-by-doing“ für mich. Doch bald fahre ich an die Nordsee und werde dort von der CAD- Entwicklungsfirma intensiv geschult.

Ich bin gelernter Koch. Nach der dreijährigen Lehre arbeitete ich im Dolder Grand Hotel in Zürich und bildete mich anschliessend zur Diätköchin im Kantonsspital Winterthur weiter.

Unter Diätküche verstehen viele etwas völlig Falsches und meinen, Diät hätte mit lauter Entbehrungen zu tun und schmecke sowieso nicht gut. Dem ist überhaupt nicht so. Mit ein wenig Kreativität kann ein Diätmenu genauso genussvoll sein. Sogar ein Glas Rotwein zum Essen ist da erlaubt! Da habe ich am Anfang auch gestaunt.

Ich habe mich bereits während der Ausbildung zur Diätköchin nach einer neuen Stelle umgeschaut und war auch schon fündig geworden, mein Chef meinte jedoch dazu: “Ich will nicht, dass Sie gehen!“ So blieb ich während weiteren 18 Jahren dem Kantonsspital Winterthur als stv. Chef der Diätküche treu.

Dann passierte der Unfall: Auf der Skipiste bin ich mit einer anderen Skifahrerin kollidiert. Sie war Anfängerin und ist ausgerutscht. Es kam zum Zusammenstoss. Ich hatte fürchterliche Schmerzen, konnte kaum atmen, konnte mich kaum strecken. Doch ich wollte mir nichts anmerken lassen und fuhr weiter. Zum Glück ist der Anfängerin nichts passiert.

Am nächsten Tag sah mein Knie aus wie ein grosser Ballon. Auch konnte ich mich kaum noch bewegen, zudem Ich hatte an 2 Rückenwirbel Absplitterungen. In der Folge wurde mein Knie fünf Mal operiert. Doch anstatt einer Besserung nach einer Operation, verschlimmerte sich der Zustand meines Knies konstant. Hinzu kam, dass ich bei einem früheren Unfall mein Sprunggelenk verletzt hatte und dieses dreimal sehr kompliziert operieren musste. Keine guten Aussichten für einen Koch, der seine Arbeit im Stehen ausübt.

Da ich immer wieder unters Messer kam, fehlte ich oft am Arbeitplatz. Schliesslich wurde ein Vertrauensarzt eingeschaltet, um meinen Fall zu beurteilen. Seine Diagnose war verheerend; ich musste meinen Job als Koch aufgeben. Eine Welt brach zusammen, denn nur allzusehr hatte ich meinen Beruf geliebt. Es folgte das grosse Tränenvergiessen. Ich konnte und wollte diesen Entscheid so nicht einfach akzeptieren.

Durch das Case Management kam ich erstmals mit Buchmann & Partner in Kontakt. Dort absolvierte ich bei Ramon Carbonell und Patrick Zufferey zahlreiche Eignungstests, um auch andere Stärken herauszukristallisieren und mir neue berufliche Möglichkeiten aufzuzeigen.

Bei der IV gibt es klare Regeln bezüglich Umschulung: In meinem Fall hiess dies, nach den Erkenntnissen der beruflichen Abklärungen; Bürofachdiplom, dann Handelsschule und anschliessend eine Zusatzausbildung. Mir war klar, dass ich diesen Weg gehen musste, auch wenn ich Bedenken hatte, die weiteren Jahre auf einem Bürostuhl zu verbringen. Mir blieb nichts anderes übrig und so sagte ich mir: Da musst Du jetzt durch!

So besuchte ich erstmals die Handelsschule und erhielt mein Handelsdiplom. Als zweiter Schritt war die Weiterbildung zur Dipl. technischen Kauffrau geplant. Diese Ausbildung ist aber mit einem obligatorischen Praktikum verbunden. Ein Monat vor Schulbeginn war noch kein Praktikumsplatz gefunden, also hat meine Versicherung wieder mit Buchmann & Partner Kontakt aufgenommen. Denn ohne Praktikumsplatz hätte ich die Ausbildung nicht antreten können. Um kein weiteres Jahr mit Suchen zu verlieren, machte Herr Carbonell von Buchmann & Partner mir das Angebot, dieses Praktikum doch einfach bei ihnen zu absolvieren. Die IV-Verantwortlichen waren jedoch strikte dagegen, und erlaubten nur ein maximal 3-monatiges Praktikum bei Buchmann & Partner, da es sich hier nicht um einen technischen, sondern um einen rein kaufmännischen Arbeitsplatz handeln würde. So nutzte ich also die Chance und konnte dadurch die Schule beginnen und parallel dazu nach einem für die IV besser geeigneten Praktikumsbetrieb für die restliche Praktikumszeit suchen. Wir waren überzeugt, eine solche Stelle zu finden, und Patrick Zufferey meinte zu Recht, in meinem angestammten Berufsfeld, im kaufmännischen Bereich am ehesten fündig zu werden. Und so gelang es uns mit gemeinsamen Kräften, innert der vereinbarten Frist, meinen heutigen Arbeitgeber für mich zu begeistern.

Mein jetziger Chef zögerte mit einer Anstellung, denn er glaubte, nicht genügend Arbeit für mich als Praktikantin zu haben. Zudem hatte er Bedenken was die Finanzierung betraf, denn kurz zuvor hatte er mit zwei Arbeitskollegen die Firma vom ehemaligen Chef übernommen, der in den Ruhestand ging.

Schliesslich willigte er doch ein und meinte lakonisch: „Ich will Sie aber bis zur Pensionierung hier haben!“. Eigentlich war dies alles noch viel komplexer, als ich es hier zusammenfasse. Auch Ramon Carbonell von Buchmann & Partner setzte sich unermüdlich für mich ein und schlug manche Purzelbäume, damit ich schliesslich meine Praktikumsstelle erhielt und meine Ausbildung zur Dipl. technischen Kauffrau antreten konnte.

Die Ausbildung war sehr hart. Ich lernte unglaublich viel. Zu meinen Fächern gehörten Management, Marketing, Buchhaltung, Finanzwesen, Informatik, Recht und viele weitere Fächer. So ungefähr alles, was es heute braucht, um erfolgreich gerüstet zu sein.

Bevor ich also bei meinem heutigen Arbeitgeber mein Praktikum angetreten habe, arbeitete ich wie erwähnt 3 Monate bei Buchmann & Partner teils im Sekretariat und andernteils durfte ich das Netzwerk der Buchmann & Partner für meine eigene Praktikumssuche nutzen. Ich habe diese Zeit sehr geschätzt. Das Besondere an meinem Job war, dass ich unter anderem Kandidaten aus der Wiedereingliederung kennenlernen durfte. Wenn man ein ähnliches Schicksal erlebt hat, kann man einem betroffenen Menschen einfühlsamer zur Seite stehen und diesem wieder Mut machen.

Ich habe ein sonniges Gemüt, liebte meinen Job als Koch und befand mich während dieser Zeit in einem absoluten Hoch. Als es dann im Alter von 37 hiess, ich müsste meinen Job aufgeben, brach für mich eine Welt zusammen. Existenzängste plagten mich und ich fiel in ein tiefes Loch.

Heute lebe ich wieder in einem Hoch. Mein jetziger Arbeitgeber ist sehr zufrieden mit mir. Ich arbeite hier bereits 1 ½ Jahre. Wir sind ein kleines Team und haben es super untereinander. Jeder hilft dem Anderen, es ist ein Geben und Nehmen.

Momentan leite ich noch kein eigenes Projekt, sondern arbeite mit dem Chef zusammen. Zu Beginn eines neuen Projektes, also bereits bei der ersten Bausitzung, wo noch die Grundrisspläne besprochen werden, ist es von grossem Vorteil, auf die Wünsche und Philosophie des Kunden einzugehen.

Unsere Stärke liegt in unserem fundierten Fachwissen, denn mein Chef, einer unserer Aussendienstmitarbeiter und ich kommen alle drei aus der Gastronomie. So können wir unsere eigene Erfahrung einbringen, damit später die Arbeitsabläufe optimal stimmen. Da die Ansprechpersonen unserer Kunden oft selbst nicht aus der Gastronomie stammen, sind sie uns dafür dankbar, denn in der Regel sind es ja nicht sie, die später in der Küche arbeiten.

Während der Mittagspause treffen wir uns erneut in unserem Showroom und essen ein warmes Menu, welches wir in der Bäckerei geholt haben. Um 1 Uhr geht es dann wieder los. Oft kommen am Nachmittag auch Kunden vorbei, um ein Projekt zu besprechen. In unserem grossen Showroom kann der Kunde auch ein Gerät „erleben“, statt es nur von einem Foto her zu kennen. Das ist ein grosser Vorteil und wird sehr geschätzt.

Seit meinem ersten Unfall habe ich noch nie beschwerdenfrei gelebt. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Ich habe da auch meine eigenen „Mitteli“, um die Schmerze in den Griff zu bekommen.

In meiner Jugend war Velofahren meine Leidenschaft und ich bin zu manchem Rennen angetreten. Jetzt freue ich mich auf den Frühling, dann steige ich dann wieder aufs Velo und fahre los in die schöne, unberührte Natur. Auch schwimmen und musizieren gehören zu meinen grossen Hobbys.

Wenn ich abends nach Hause komme, werde ich von meinen Vierbeinern sehnlichst erwartet, die mir jeden Tag ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Ich spiele dann zuerst Fussball und dann Mäusejagd mit meinen Büsis, und mache mir in der Regel etwas Leichtes zum z’Nacht.

Jetzt, wo ich meine Ausbildung abgeschlossen habe und nicht jeden Abend lernen muss, bleibt auch Zeit, die Kontakte wieder enger zu pflegen, Freunde einzuladen und zu bekochen. Ich probiere meistens ein Rezept aus , das ich in einer Zeitschrift oder einem Buch gesehen habe oder zaubere nach Lust und Laune Köstlichkeiten auf den Teller. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen beteiligten Institutionen (Unfallversicherung, SVA, Buchmann & Partner usw.) herzlich bedanken für die wertvolle Unterstützung und Begleitung während meinen Umschulungsjahren. Ebenfalls widme ich allen beteiligten Praktikumsplätzen ein ganz grosses Dankeschön, dafür, dass sie mir ein neues Berufsleben ermöglicht haben.

 

 

 

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