Meine Uniform ist schön, picco bello! Zur Uniform gehört auch eine Schirmmütze, aber die trage ich so gut wie nie. Ich habe seit 4 Monaten den absoluten Traumjob als Chauffeur der Verkehrsbetriebe Luzern, VBL. Ich befinde mich immer noch in der 6-monatigen Probezeit, aber ich habe ein gutes Gefühl, festangestellt zu werden.

 

Von den Experten werde ich nach ganz unterschiedlichen Kriterien beurteilt: Wie ich fahre, wie ich bremse, aber auch, wie ich meine Fahrgäste behandle. Bis heute habe ich keine Reklamationen. Wenn man so seinen Traumjob gefunden hat, da geht man dann auch mit Freude arbeiten.

Jeder Tag ist anders. Heute z.B. war ein Marathonlauf hier in Luzern. Da bin ich um 4 Uhr aufgestanden. Meine Frau schläft weiter, während ich auf die Schnelle einen Kaffee trinke.

Ich wohne in Entlebuch, bis Luzern sind es rund 45 km. Ich bin immer eine halbe Stunde vor der eigentlichen Abfahrt da, weil ich meinen Bus für die Fahrt bereitmachen muss. Jeder Bus ist mit einem speziellen System ausgerüstet, es heisst Ibis. Da gebe ich meine Strecke ein, also z.B. Linie 14, Kurs 12. Und schon erscheint der ganze Fahrplan auf die Minute genau.

Beim Fahren achte ich darauf, dass ich eher im Minus als im Plus bin. Wenn ich im Minus bin, dann sind die Leute rechtzeitig an der Haltestelle und müssen vielleicht nur kurz auf den Bus warten. Wenn ich im Plus bin, dann verpassen sie unter Umständen den Bus, weil dieser ja zu früh weiterfährt. Oder da kann es auch am Hauptbahnhof zu einem Stau kommen, weil ein anderer Bus die Haltestelle blockiert. So fahren wir also im Minus.

Doch, wenn allzu verspätet bin und mich der folgende Bus aufgeholt hat, dann bitte ich meine Passagiere in den hinteren Bus umzusteigen und fahre direkt wieder zum Hauptbahnhof. So kann ich mich in den fahrplanmässigen Zyklus einordnen.

Gestern war wie gesagt Marathonlauf in Luzern mit einer anderen Route, weil beim Verkehrshaus die Strasse gesperrt war. Auch musste ich sehr vorsichtig fahren und immer vorausschauen, denn da gab es Läufer, die, um sich aufzuwärmen, einfach auf der Strasse rumsprangen, ohne auf den Verkehr zu achten. Da muss man schon sehr wach sein.

Bis heute hatte ich noch nie ein negatives Erlebnis. Und sollte es mal Probleme geben, so kann ich per Knopfdruck sofort eine Funkverbindung zur Leitstelle aufbauen. Diese sieht dann auf dem Bildschirm, wo sich mein Bus befindet und kann eingreifen. Für sehr kritische Situationen, wie zum Beispiel einem Überfall, gibt es den Notrufknopf. Da kommt dann die Polizei sofort.

Dass ich noch nie Probleme hatte, hängt vielleicht auch damit zusammen, dass ich ein netter Mensch bin: Ich begrüsse immer meine Fahrgäste. Wenn eine ältere Person mit dem Einsteigen Mühe hat, dann kippe ich den Bus nach rechts, um ihr den Einstieg zu erleichtern. Oder ich reiche ihr auch die Hand und helfe ihr beim Einsteigen. Ich bin sehr hilfsbereit, auch wenn eine ältere Person eine schwere Tasche trägt, helfe ich gerne. Die anderen Fahrgäste reagieren in der Regel sehr positiv auf meine Hilfeleistung.

Ich stamme aus Jagodina, einem kleinen Dorf in der Nähe von Belgrad. 1992 kam ich in die Schweiz. Hier habe ich 18 Jahre lang als Maschinentechniker beim gleichen Arbeitgeber in der medizinischen Branche gearbeitet und Infusionen hergestellt.

Bei einem Autounfall habe ich mir eine Ferse gebrochen. Nach sechs Monaten ging ich wieder arbeiten. Die SUVA wollte mir 25% Invalidität zahlen. Da mein Arbeitgeber mich nur Vollzeit anstellen wollte, nahm ich das Angebot der SUVA nicht an und ging 100% arbeiten. Dies 6 Jahre lang. Doch dann musste mein Fuss erneut operiert werden, weil sich der Knorpel zurückgebildet hatte. Da hat man mir dann aus der Hüfte Knochengewebe / Knorpel transplantiert. Heute darf ich keine Lasten mehr tragen, ich sollte auch nicht lange gehen oder stehen. Ein Spezialschuh sorgt dafür, dass mein Fuss geschont und weniger belastet wird und auch besser abfedert.

Nachdem ich 18 Jahre lang beim gleichen Arbeitgeber gearbeitet habe, wurde mir der Job gewissermassen verboten. Das tat dann schon weh. Denn hier fühlte ich mich wie zu Hause.

So musste ich eine neue Stelle suchen. Zuerst kaufte ich mir ein Buch, um zu lernen, wie man eine Bewerbung schreibt. Auch besuchte ich beim RAV verschiedene Kurse zu diesem Thema, unter anderem, wie man sich auf ein Vorstellungsgespräch vorbereitet und verhält. So weit kam es leider nie, obwohl ich über 100 Bewerbungen verschickt hatte. Ich erhielt nur Absagen, vielleicht wegen meinem fremdklingenden Namen und Vornamen. Denn: Wenn jemand einen Maschinenführer sucht und in meinem Lebenslauf sieht, dass ich 18 Jahre in der gleichen Firma als Maschinentechniker gearbeitet habe und dafür auch ein ausgezeichnetes Arbeitszeugnis vorliegt, da sollte man doch wenigstens zu einem Gespräch eingeladen werden.

Die SUVA hat den Kontakt zu Buchmann & Partner hergestellt, um mich bei der Stellensuche zu unterstützen. Und dank Buchmann & Partner konnte ich mich dann schliesslich bei der VBL vorstellen. Mein SUVA Verantwortlicher begleitete mich zum Vorstellungsgespräch. Ich wurde eingestellt und 6 Monate lang zum Buschauffeur umgeschult. Doch dann fiel ich durch die Theorieprüfung, weil ich die gestellten schriftlichen Fragen nicht richtig verstand. Da hat sich Patrick Zufferey eingeschaltet und sich für mich beim Strassenverkehrsamt eingesetzt. Ich konnte die theoretische Prüfung wiederholen. Und vor allem, falls mir etwas in den schriftlichen Fragen unverständlich sein sollte, nachfragen. So bestand ich die theoretische und kurz darauf auch die praktische Prüfung. Diese dauerte 2 ¼ Stunden. Der Experte meinte: Super! Tiptop! Jetzt bin ich überglücklich. Ich lenke verschiedene Busmodelle, unter anderem auch die 18 Meter langen Gelenk-Trolleybusse.

Während meiner Arbeitspausen reicht die Zeit nicht, nach Hause zu gehen. So verbringe ich die Zeit beim „Weinbergli“, wo die VBL für ihre Chauffeure Räume zur Verfügung stellt. Hier kann man zu Mittag essen, ein bisschen schlafen oder einfach relaxen.

Abends bin ich eigentlich gar nicht so müde. Ich sitze ja den ganzen Tag und erledige keine schweren Arbeiten wie früher. Dafür muss ich immer sehr wach und konzentriert sein. Und vorausschauen. Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst, denn schliesslich sitzen hinten bis zu 160 Fahrgästen. Gott sei Dank ist bis heute nie etwas passiert.

 

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